Colin Farrell, Brendan Gleeson und Ralph Fiennes in einem rabenschwarzen Gangsterdrama.
Der letzte Mordauftrag in London ist völlig daneben gegangen, deswegen können Ray und Ken ein wenig Ruhe ganz gut vertragen. Etwas Urlaub haben sie sich verdient, denken sie, aber was hat ihr Boss sich dabei gedacht, sie ausgerechnet nach Brügge zu schicken? In seinem ersten abendfüllenden Spielfilm Brügge sehen... und sterben? schickt Regisseur Martin McDonagh zwei britische Profikiller in das malerische belgische Städtchen Brügge. Die gotische Altstadt scheint mit all ihren pittoresken Sehenswürdigkeiten überhaupt nichts mit der Londoner Unterwelt zu tun zu haben, doch im Laufe der Handlung verwandelt sich das beschauliche Örtchen zum Schauplatz einer ebenso grotesken wie amüsanten Ganovenhetzjagd. Mit seiner hochkarätigen Besetzung, spritzigen Dialogen und einer originellen Geschichte vor der einzigartigen Kulisse Brügges schuf der gebürtige Ire McDonagh eine bitterböse, immer wieder überraschende und höchst pointierte Mischung aus temporeichem Krimi und schwarzer Komödie, die Vergleichen mit Quentin Tarantins Werken problemlos standhält. Für seinen Kurzfilm „Six Shooter“ wurde der irische Regisseur 2006 bereits mit dem Oscar ausgezeichnet. Brügge sehen... und sterben? beeindruckt mit einer internationalen Top-Besetzung: Colin Farrell („Alexander“, „Miami Vice“, „Der Einsatz“) überzeugt als unerfahrener Hitman, Brendan Gleeson („Beowulf“, „Harry Potter“) ist sein abgeklärter Partner und Ralph Fiennes („Der englische Patient“, „Schindlers Liste“) brilliert in dieser typisch britischen Gangsterkomödie als ihr skrupelloser Boss. Seit 24. November 2008 ist McDonaghs meisterhaft inszeniertes Debüt als DVD mit umfangreichem Bonusmaterial im Handel.

Die beiden Auftragskiller Ray und Ken sitzen im belgischen Städtchen Brügge zwischen pittoresken Kanälen und mittelalterlichen Kirchen fest und warten tagelang auf einen Anruf von ihrem Boss Harry, der ihnen weitere Instruktionen für ihren nächsten Auftrag erteilen will. Langeweile kommt in der idyllischen Stadt nicht auf. Während Ken versucht, sich den kulturellen Reizen der mittelalterlichen Stadt zu widmen, entfacht Ray nach alter Gewohnheit sofort jede Menge Krawall: Er feiert wilde Partys mit dem zwergwüchsigen Hauptdarsteller eines surrealistischen Films, prügelt sich mit Touristen, und hat es zu allem Überfluss auch noch auf die lokale Schönheit Chloë abgesehen. Natürlich ist deren Ex-Freund davon alles andere als begeistert. Harry, der Boss der beiden Killer in England zeigt sich noch weniger erfreut von dem Aufsehen erregenden Trubel. Um dem ganzen ein schnelles Ende zu bereiten, erhält Ken von Harry einen Spezialauftrag: Er soll seinen Kumpel Ray ruhig stellen – und zwar für immer...


Martin McDonaghs erster Langfilm war zweifellos eine der bösesten Gangsterkomödien des Jahres 2008, die typisch britischer nicht sein könnte. Voll mit schwarzem Humor und jeder Menge Action feierte Brügge sehen... und sterben? als Eröffnungsfilm von Robert Redfords renommiertem Sundance-Festival im Januar 2008 seine Weltpremiere und wurde von Kritik und Publikum gleichermaßen begeistert angenommen. Der Gegensatz zwischen dem gewalttätigen Leben der drei Hauptdarsteller und der friedlichen und ruhigen Stadt Brügge wurde von Regisseur McDonagh meisterhaft herausgearbeitet, ohne dabei jemals Langeweile aufkommen zu lassen. Durch die gelungene Zusammenarbeit mit der Film- und Tourismusbehörde der belgischen Stadt konnte das Team fast ausschließlich an Originalschauplätzen drehen, die dem Film seinen besonderen Reiz geben. „Als ich vor gut vier Jahren dort war, hatte ich Brügge gegenüber gemischte Gefühle“, erinnert sich McDonagh. „Ich dachte mir zwei Charaktere aus, die auf unterschiedliche Weise auf die Stadt reagieren, und fing an, ihre Erlebnisse aufzuschreiben, für die ich bereits bestimmte Plätze und Orte in Brügge im Sinn hatte.“ So pittoresk und romantisch Brügge auch sein mag, Regisseur McDonagh hält fest: „Je weiter der Film voranschreitet, desto düsterer erscheint Brügge und die gotischen Seiten der Stadt treten immer weiter in den Vordergrund.“ Sein Kinodebüt lebt neben der Aura dieser besonderen Stadt von den umwerfenden Dialogen und meisterhaft gezeichneten Rollen.
Auch die Presse sparte nicht mit Lob. „Die blendend unterhaltende Liebeserklärung an Brügge gleicht am ehesten den Frühwerken von Guy Ritchie („Bube, Dame, König, Gras") und Quentin Tarantino („Reservoir Dogs"), findet aber rasch ihren eigenen, herrlich unkonventionellen Stil“, urteilte die Abendzeitung. Treffpunkt Kino schloss sich an: „Killerkomödie des Jahres 2008.“
