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Mit
Sebastian Weber
Anna Böger
Felix Hellmann
Katharina Schubert
David Baalcke
Julia Koschitz
Martin Butzke
Kathrin von Steinburg
Matthias Bundschuh
Mediha Cetin
Thomas Limpinsel
Lisa Wagner
Oliver Bürgin
Julia Heinze
Stephan Zinner
Anja Klawun
Christian Pfeil
Tanja Schleiff
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X-Verleih
Neun Frauen, neun Männer, ein Ziel: 18 paarungswillige Großstadt-Singles suchen beim Speed-Dating einen passenden Partner. Genau fünf Minuten haben sie jeweils Zeit, ihr Gegenüber kennen zu lernen. Im Rennen gegen den Sekundenzeiger kommt es darauf an, sich optimal zu verkaufen – und gleichzeitig den anderen zu entdecken. Es geht um Cappuccino und Gin Tonic, um Allergien und Neurosen, um Schnäppchen und Designerstücke. Keine Zeit, zimperlich zu sein: Schließlich gilt es, die Liebe des Lebens zu finden. Und am Ende werden die Karten noch einmal neu gemischt…



Ein Gespräch mit Ralf Westhoff

Welche Grundidee steckt hinter SHOPPEN?
Speed-Dating war für mich ein schöner Rahmen, um das Porträt einer bestimmten Großstadt-Single- Generation zu zeichnen. Und ich wollte einen Schauspielerfilm mit spannenden Charakteren inszenieren. Ein Grundthema war für mich die Frage: Warum gibt es so viele Singles? Warum fällt es uns so schwer, zusammenzufinden? Am Anfang von SHOPPEN sagt Susanne in der Boutique über ihren Traummann, er solle eifersüchtig und tolerant sein – da wird schon klar, dass die Ansprüche heutzutage manchmal ein bisschen übertrieben sind. Außerdem hat man irgendwann auch nicht mehr so viel Energie, jede Nacht um die Häuser zu ziehen, bis man eventuell jemanden kennen lernt. Nach dem fünften Abend in irgendeiner Bar, wo man vergeblich auf eine interessante Begegnung gehofft hat, sitzt man übermüdet zu Hause und sagt sich: Nein, es muss einen effizienteren Weg geben!

Und hier kommt Speed-Dating ins Spiel?
Genau. Man lässt sich nicht mehr darauf ein, mühsam jemanden kennen zu lernen und sich zu verlieben, sondern man hat klare Vorstellungen, man investiert, und dafür will man auch seine Ansprüche erfüllt haben. Für Geld bekommt man also potenziell passende Partner präsentiert: Wie beim Durchblättern der Kleiderbügel in einer Modeboutique darf man nachsehen, ob die gewünschten Eigenschaften in ausreichender Zahl vorhanden sind. Wir haben zwar verlernt, uns zu verlieben – aber einkaufen können wir. Was liegt also näher als der Versuch, die Defizite mit bewährten Methoden auszugleichen? Etwas unromantisch vielleicht, doch unter Umständen effizient. Natürlich muss man sich in den fünf Minuten beim Speed-Dating knallhart selbst verkaufen. Dementsprechend steckt in meinem Filmtitel auch ein großes Fragezeichen: Ist das der richtige Weg, die Liebe zu finden, wenn man dafür bezahlt, sich Leute vorstellen zu lassen?

Haben Sie selbst denn mal so ein Speed-Dating erlebt?
Ja, allerdings erst, als mein Drehbuch schon lange fertig war. Aber noch vor den Dreharbeiten. Es war wie eine Achterbahnfahrt: In Wirklichkeit trafen sich da 20 Männer und 20 Frauen. Ständig wird man mit einem neuen Gesicht konfrontiert, ein neues Thema wird angerissen – und kaum hat man seinen Gesprächspartner erfasst, muss man sich schon wieder auf eine neue Person einstellen. Die Klingel reißt einen nach fünf Minuten gnadenlos raus aus dem Gespräch, und – zack! – sitzt der nächste da. Es ist ein bisschen so, als würde das Leben an einem vorbeigezappt. Auf keinen Fall langweilig, oft spannend, aber auch ziemlich schräg. Ich habe versucht, dieses Gefühl auch im Film umzusetzen.

Wo fand dieses Speed-Dating statt?
Wir haben uns im Nebenraum eines Lokals getroffen. Aber ich habe für den Film bewusst eine andere Atmosphäre gewählt. Denn für mich hat die ganze Situation etwas von einem Geschlechterkampf: Meine Figuren gehen ja nicht gerade zimperlich miteinander um. Darum wollte ich sie wie in einem Duell gegenüberstellen – ohne einen Tisch dazwischen, ohne ein Glas, an dem man sich festhalten könnte. Und vor allem war mir wichtig, dass nichts von den Schauspielern ablenkt. Nur diese 18 Charaktere. Alles andere hätte die Konzentration gestört.

Mit Ihren 18 Charakteren verstoßen Sie gegen gängige dramaturgische Regeln…
Ja, ich habe in diesem Film bewusst all das gemacht, was man normalerweise tunlichst vermeiden sollte: Das Drehbuch hat eine epische Struktur und verschiedene Hauptfiguren – 18 Personen, die 90 Minuten lang permanent quatschen. Aber ich wollte mich eben gerade nicht auf wenige Figuren beschränken, sondern etwas Neues ausprobieren. Für mich war das eine schöne Herausforderung, und ich war froh, dass ich diese Freiheit hatte.

Wie sind Sie an diese Herausforderung herangegangen?
Es gab nur eine Chance: Schauspieler zu finden, die den Film alleine tragen können und die so authentisch spielen, dass es spannend bleibt und Spaß macht, ihnen zuzusehen. Ich habe mich entschieden, auf Darsteller zu setzen, die im Kino und im Fernsehen noch relativ unbekannt, aber im Theater sehr erfolgreich sind – und das hat sich bewährt: Es hatte den Vorteil, dass man Szenen lange ohne Unterbrechung durchspielen und so im Fluss bleiben konnte. Gefunden habe ich meine Idealbesetzung, indem ich sehr oft ins Theater gegangen bin und immer wieder verschiedene Kandidaten zu Leseproben in mein Büro gebeten habe. Mit den endgültigen Darstellern habe ich dann noch vor den Dreharbeiten in Einzelproben die jeweiligen Charaktere und ihre Textzeilen genau erarbeitet, so dass alle perfekt vorbereitet ans Set kamen.

Haben sich bei diesen Proben Ihre Dialoge noch mal verändert?
Kaum. Ich schreibe meine Dialoge sehr sorgfältig und spreche sie zur Kontrolle auch immer selbst, um zu sehen, ob sie flüssig über die Lippen kommen. Bei der Inszenierung meiner Kurzfilme habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Tempo oft nicht ganz stimmt, wenn man beim Drehen improvisieren lässt. Aber ich bin immer offen für Vorschläge, und in einigen Fällen haben die Schauspieler noch Eigenes einfließen lassen.

Haben Sie tatsächlich alle Ihre Wunschkandidaten bekommen?
Ja, es gab keine Absagen. Und alle waren sogar bereit, mit Gagenrückstellung zu arbeiten. Am Set herrschte eine ganz besondere Atmosphäre, weil alle mit dem Herzen und mit so viel Idealismus bei der Sache waren. Offenbar hat ihnen das Drehbuch gefallen. Sebastian Weber meinte zum Beispiel, es hätte ihn gereizt, eine Filmfigur mit so wenigen Pinselstrichen skizzieren zu müssen. SHOPPEN war ein schönes Beispiel dafür, dass die Begrenztheit der Möglichkeiten durchaus eine Chance sein kann: die kurze Zeit, um die einzelnen Charaktere zu entwickeln, das kleine Team, die minimale Ausrüstung, das geringe Budget, der Zeitdruck – all das setzt eine bestimmte Form von Kreativität frei. Denn da muss man sich wirklich permanent etwas einfallen lassen.

Wie sind Sie beim Inszenieren an die Schwierigkeit herangegangen, die 18 Figuren mit so wenigen Pinselstrichen skizzieren zu müssen?
Ich habe eng mit meiner Kostümbildnerin und meiner Maskenbildnerin zusammengearbeitet, um die Charaktere schon rein äußerlich unterscheidbar zu machen – und mit meinem Kameramann Helmfried Kober, der viele Jahre Assistent von Joseph Vilsmaier war: Gemeinsam haben wir darauf geachtet, dass die Figuren sich auch durch die Wahl des Bildausschnitts und der Objektive sofort von anderen Charakteren absetzen. Helmfried Kober hat ein großes Pensum in sehr kurzer Zeit toll hinbekommen. An 19 von 20 Drehtagen hatten wir nur eine Kamera.

Und am 20. Drehtag…?
Hatten wir zwei. Der pure Luxus! Das war allerdings auch der härteste Tag: der einzige, an dem tatsächlich alle 18 Hauptdarsteller anwesend waren. Geradezu ein Wunder, dass wir es geschafft haben, 18 viel beschäftigte und in festen Theaterspielplänen steckende Schauspieler am selben Tag in einen Raum zu bekommen. Wenn an diesem Tag etwas schief gegangen wäre, hätten wir den ganzen Film vergessen können. Ich will gar nicht daran denken!

Stimmt es, dass Sie während der Fußball-WM gedreht haben?
Ja. Auch das hätten wir eigentlich nicht tun dürfen. Alle anderen hatten ihre Drehs während der WM abgesagt – und uns für verrückt erklärt: Es hieß, zu der Zeit könnte man unmöglich filmen, wegen der erschwerten Drehgenehmigungen, den Fan-Gesängen, den Hupkonzerten und so weiter. Aber wir hatten uns gerade dieses Zeitfenster ausgesucht: Erstens waren wir mit unserem kleinen Team extrem flexibel, und zweitens hätten wir mit unserem Mini-Budget nach der WM garantiert keine Teammitglieder und kein Equipment mehr bekommen – da wäre alles ausgebucht gewesen. So haben wir eben unseren Drehplan auf die WM abgestimmt.

Mögen Sie eigentlich alle Ihre 18 Figuren?
Ja, ich finde sie alle auf irgendeine Weise sympathisch. Ich habe mich bemüht, trotz der knappen Zeit einigermaßen vielschichtige Charaktere zu schaffen: mit charmanten und weniger charmanten Seiten. Nehmen wir zum Beispiel Patrick – bei ihm denkt bestimmt jeder an einem gewissen Punkt: Was für ein Idiot! Aber er ist wenigstens ehrlich. Er bleibt sich treu. Und spätestens am Schluss, wenn er sich gegenüber der betrunkenen Jule so anständig verhält, merkt man, dass er auch seine Qualitäten hat. Ich möchte keine meiner Figuren bloßstellen. Man soll über sie lachen, aber man soll sie mögen.

Würden Sie sagen, dass die Frauen in SHOPPEN die stärkeren Charaktere sind?
Das ist mir beim Schreiben gar nicht so aufgefallen. Aber nach der Premiere in Hof wurde ich ein paar Mal darauf angesprochen, und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr finde ich, dass es stimmt: Die Frauen in SHOPPEN sind tougher als die Männer. Sie treffen die Entscheidungen. Sie gehen auf Konfrontationskurs und überfordern die Männer manchmal. Starke, selbstbewusste Frauen – das ist wohl ein Großstadt-Phänomen, mit dem wir Männer umgehen müssen…

Wie viel von Ihnen selbst steckt in Ihren Filmfiguren?
Ich denke, in meinen Charakteren steckt viel mehr von anderen Leuten als von mir. Denn ich gehe beim Schreiben nicht von mir selbst aus, sondern laufe einfach mit offenen Augen und Ohren durch die Stadt und sauge auf, was die Menschen um mich herum beschäftigt. Insofern wird man als Zuschauer sicher bei der einen oder anderen Figur sagen: Ja, so einen kenne ich auch. Aber viel entscheidender ist für mich, dass man als Kinogänger in den Filmfiguren etwas von sich selbst wiederfindet – und dass man auf diese Weise auch ein bisschen über sich lachen kann.

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