Konstantin Grcic Industrial Design. On / off
Bis 30 Juli 2006
Normalerweise findet man die Produkte von Konstantin Grcic im Laden. Dort steht dann eine Lampe von ihm neben 50 Lampen anderer Designer, muss sich behaupten und ihren Käufer finden. Konstantin Grcic selbst würde seine Lampe auf eine erzählerische Art in Szene setzen. Das Haus der Kunst bietet ihm mit der großen Mittelhalle die Projektfläche dafür "on".
Konstantin Grcic und Nitzan Cohen von Konstantin Grcic Industrial Design (KGID) präsentieren Objekte aus den vergangenen fünfzehn Jahren. Das älteste Produkt ist der Tisch TomTom von 1991, das jüngste der Barhocker Miura aus dem Jahr 2004. Die Ausstellung versteht sich nicht als der Chronologie oder Linearität verpflichtete Leistungs- oder Werkschau, sondern als Inszenierung der persönlichen Sicht der beiden Designer auf die eigenen Produkte. Sie zeigt fertige Objekte und erzählt darüber hinaus in Bildern deren Entstehungsgeschichte. Durch Fotos, die zu Bildsequenzen oder Videoclips arrangiert sind, Prototypen, Modelle aus Pappe oder Schaumgummi, Skizzen und Auszüge aus der Korrespondenz mit dem Auftraggeber werden die Schritte nachvollziehbar, die zu dem Produkt in seiner letztlich gültigen Form geführt haben.
KGID hat für die Präsentation seiner Produkte im Haus der Kunst folgende Szenerie entworfen: In der Mitte des Raumes breitet sich über eine Länge von 27 Metern die Installation "White Noise" aus, die aus weiß lackierten Bierbänken und -tischen besteht. Auf den Tischen liegt eine große Auswahl an Material zu den Projekten: Skizzen und Zeichnungen, Texte, Illustrationen und Fotos. Um die Installation "White Noise" herum stehen Archivschränke für Modelle und Prototypen, Fotos und Videoclips sowie hohlkehlenförmige Kulissen, wie der Hintergrund im Fotostudio ganz in Weiß gehalten, für die eigentlichen Produkte. Das gesamte Arrangement bildet ein dichtes, rechtwinkliges Raster, das von vierzig Set-Scheinwerfern beleuchtet wird. Im Unterschied zum herkömmlichen Set-Scheinwerfer sind deren Stative und Füße jedoch nicht verstellbar. Die Schweinwerfer sind ebenfalls vollkommen weiß. Sie stehen frei und scheinbar chaotisch immer dort, wo sie gebraucht werden. Eigens für die Ausstellung entworfen, sind sie mit ihrer physischen Präsenz Ausdruck eines nüchtern eleganten Stilwillens und ein wesentliches Element der Ausstellungsarchitektur.
Der subjektive Blick auf die Dinge ist auch für die 2005 bei Phaidon erschienene Monografie KGID charakteristisch: Eine Fotografie von Florian Böhm zeigt die Lampe Mayday (für Flos, 1998) auf dem Boden einer Werkstatt, neben einem Schweißbrenner und einer ausgetretenen Zigarette. Der Handwerker kann sie an dem multifunktionalen Griff mit sich herumtragen, sie daran aufhängen oder das Kabel darum wickeln und sie neben sich abstellen. Gleichzeitig ist das Äußere von Mayday so gewinnend, dass die Lampe in die unterschiedlichsten Wohnräume passt. So inszeniert, lässt das Produkt nicht nur seine materielle Beschaffenheit erkennen, sondern offenbart auch seinen Charakter: wie es Kontakt mit seiner Umwelt aufnimmt und auf welche Weise es benutzt werden will.
Das Design von KGID wird oft als minimalistisch bezeichnet. Konstantin Grcic selbst zieht es vor, von Einfachheit zu sprechen: "Ich glaube ganz stark an Einfachheit. chair_ONE zum Beispiel ist einfach. Dieser Stuhl hat eine innere Logik und seine Struktur ist schmucklos, aber ich würde ihn trotzdem nicht als minimalistisch bezeichnen. Er ist nämlich ziemlich komplex. Genau diese Form von Einfachheit mag ich: Etwas ist radikal in dem Sinne, dass es zu den Wurzeln vordringt, zum Wesentlichen, und dabei eine irrationale Note behält. Das ist der Ursprung von Persönlichkeit der menschliche Touch." (Konstantin Grcic 2005)
Konstantin Grcic ist weder einer sich in den Vordergrund drängenden individuellen Ästhetik verpflichtet, noch verschwindet er hinter anonym wirkenden Lösungen; vielmehr setzt er neue Standards, indem er auf höchstem Niveau diese beiden grundverschiedenen Richtungen kombiniert. Dabei erfindet er nicht neu, sondern überarbeitet, verbessert und reduziert. Bequem in der Handhabung, überzeugen seine Objekte durch formale Strenge und Einfachheit, durch Scharfsinn, Eleganz und Humor.
(Presse Haus der Kunst)
Konstantin Grcic und Nitzan Cohen von Konstantin Grcic Industrial Design (KGID) präsentieren Objekte aus den vergangenen fünfzehn Jahren. Das älteste Produkt ist der Tisch TomTom von 1991, das jüngste der Barhocker Miura aus dem Jahr 2004. Die Ausstellung versteht sich nicht als der Chronologie oder Linearität verpflichtete Leistungs- oder Werkschau, sondern als Inszenierung der persönlichen Sicht der beiden Designer auf die eigenen Produkte. Sie zeigt fertige Objekte und erzählt darüber hinaus in Bildern deren Entstehungsgeschichte. Durch Fotos, die zu Bildsequenzen oder Videoclips arrangiert sind, Prototypen, Modelle aus Pappe oder Schaumgummi, Skizzen und Auszüge aus der Korrespondenz mit dem Auftraggeber werden die Schritte nachvollziehbar, die zu dem Produkt in seiner letztlich gültigen Form geführt haben.
KGID hat für die Präsentation seiner Produkte im Haus der Kunst folgende Szenerie entworfen: In der Mitte des Raumes breitet sich über eine Länge von 27 Metern die Installation "White Noise" aus, die aus weiß lackierten Bierbänken und -tischen besteht. Auf den Tischen liegt eine große Auswahl an Material zu den Projekten: Skizzen und Zeichnungen, Texte, Illustrationen und Fotos. Um die Installation "White Noise" herum stehen Archivschränke für Modelle und Prototypen, Fotos und Videoclips sowie hohlkehlenförmige Kulissen, wie der Hintergrund im Fotostudio ganz in Weiß gehalten, für die eigentlichen Produkte. Das gesamte Arrangement bildet ein dichtes, rechtwinkliges Raster, das von vierzig Set-Scheinwerfern beleuchtet wird. Im Unterschied zum herkömmlichen Set-Scheinwerfer sind deren Stative und Füße jedoch nicht verstellbar. Die Schweinwerfer sind ebenfalls vollkommen weiß. Sie stehen frei und scheinbar chaotisch immer dort, wo sie gebraucht werden. Eigens für die Ausstellung entworfen, sind sie mit ihrer physischen Präsenz Ausdruck eines nüchtern eleganten Stilwillens und ein wesentliches Element der Ausstellungsarchitektur.
Der subjektive Blick auf die Dinge ist auch für die 2005 bei Phaidon erschienene Monografie KGID charakteristisch: Eine Fotografie von Florian Böhm zeigt die Lampe Mayday (für Flos, 1998) auf dem Boden einer Werkstatt, neben einem Schweißbrenner und einer ausgetretenen Zigarette. Der Handwerker kann sie an dem multifunktionalen Griff mit sich herumtragen, sie daran aufhängen oder das Kabel darum wickeln und sie neben sich abstellen. Gleichzeitig ist das Äußere von Mayday so gewinnend, dass die Lampe in die unterschiedlichsten Wohnräume passt. So inszeniert, lässt das Produkt nicht nur seine materielle Beschaffenheit erkennen, sondern offenbart auch seinen Charakter: wie es Kontakt mit seiner Umwelt aufnimmt und auf welche Weise es benutzt werden will.
Das Design von KGID wird oft als minimalistisch bezeichnet. Konstantin Grcic selbst zieht es vor, von Einfachheit zu sprechen: "Ich glaube ganz stark an Einfachheit. chair_ONE zum Beispiel ist einfach. Dieser Stuhl hat eine innere Logik und seine Struktur ist schmucklos, aber ich würde ihn trotzdem nicht als minimalistisch bezeichnen. Er ist nämlich ziemlich komplex. Genau diese Form von Einfachheit mag ich: Etwas ist radikal in dem Sinne, dass es zu den Wurzeln vordringt, zum Wesentlichen, und dabei eine irrationale Note behält. Das ist der Ursprung von Persönlichkeit der menschliche Touch." (Konstantin Grcic 2005)
Konstantin Grcic ist weder einer sich in den Vordergrund drängenden individuellen Ästhetik verpflichtet, noch verschwindet er hinter anonym wirkenden Lösungen; vielmehr setzt er neue Standards, indem er auf höchstem Niveau diese beiden grundverschiedenen Richtungen kombiniert. Dabei erfindet er nicht neu, sondern überarbeitet, verbessert und reduziert. Bequem in der Handhabung, überzeugen seine Objekte durch formale Strenge und Einfachheit, durch Scharfsinn, Eleganz und Humor.
(Presse Haus der Kunst)
