458nm
Jan Bitzer, Ilija Brunck, Tom Weber, Filmakademie Baden-Württemberg
Goldenen Nica, prix ars electronica 06
Oktober 2006
Es ist Mitternacht, spärliches Mondlicht fällt auf einen Waldboden. Zwei mechanische Schnecken bewegen sich langsam durch die Dunkelheit. Sie treffen aufeinander und messen kurz ihre Kräfte, bevor sie sich im Liebesspiel vereinen. Mit zunehmender Ekstase beginnen ihre transparenten Körper zu leuchten, doch kurz vor dem Höhepunkt fällt ein dunkler Schatten auf sie ... Die Animation vereint allegorische und abstrakte Komponenten mit gekonntem Erzählen.
"Seit Juli 2005 und nach einigen erfolgreich abgeschlossenen kleineren Projekten wussten wir, dass wir 458nm gemeinsam verwirklichen wollten. Nachdem wir den Sommer über getrennt über Ideen nachgedacht hatten, trafen wir uns im Oktober zum Gedankenaustausch. Nach einigen Wochen heftiger Diskussionen war uns klar, dass es nicht einfach sein würe, etwas auszuarbeiten, das für uns alle drei gleichermaßen kreativ und technisch herausfordernd und befriedigend wäre. Das aber war uns allen das Wichtigste, denn falls dies nicht der Fall wäre, so wussten wir, würde es schwer werden, die nächsten vier Monate zusammenzuarbeiten."
"Microcosmos" als Inspiration
Inspiriert war das Team rund um Jan Bitzer, Ilija Brunck, Tom Weber und Jan Bitzer vom Film "Microcosmos", in dem Bilder von zwei Schnecken beim Liebesspiel gezeigt wurden.
Die Faszination von der Schönheit der Schnecken, die sich bewegten und küssten beflügelte den Gedanken, diese Szene zu übernehmen und mit mechanischen Schnecken nachzubilden. Nach einigen Tagen beschlossen die Vier, mit diesem Projekt die nächsten vier Monate zuzubringen.
Dieses Werk schien all das zu erlauben, war sie schaffen wollten starke Bilder, eine düstere Stimmung und vor allem auch, dass die Musik ein ganz wichtiger Bestandteil sei. Es sollte nicht einfach nur eine Hintergrundmusik zu den Bildern laufen, die Musik sollte mit den Bildern verschmelzen, ihr die gleiche Rolle zuweisen wie dem Visuellen: Keines sollte ohne das andere sein können. Zunächst wurde die Story ausgearbeitet. Wegen der tragenden Rolle der Musik konnte keine exakte Animatik erstellt werden, wohl aber ein in Blöcken angelegter Draft zur Festlegung des Timings der Handlung.
In den ersten beiden Produktionsmonaten konzentrierte sich das Team auf das visuelle und technische Design der Schnecken, was sich vor allem in der Anfangsphase als ziemlich schwierig darstellte. Das Problem lag in der großen Zahl von Objekten und Polygonen. Es schien fast aussichtslos, alle Einzelobjekte sich so gemeinsam bewegen zu lassen, wie sie es wollten. Bald aber verschwanden die größten Probleme und die Angst, nicht in der Lage zu sein, die Schnecken zu animieren und zu rendern, erwies sich als unbegründet. Das Zusammenfügen der einzelne Elemente funktionierte sehr gut, und das Problem, wegen Speichermangels eine Szene mit Schnecken nicht rendern zu können, wurde gelöst, indem sie die Renderingmöglichkeiten am Institut für Animation nutzten. Und damit war es möglich, alles in der vorgegebenen Zeit fertigzustellen.