... wenn Eigentum an seine Grenzen stößt
Dennoch; auch nach dem milliardenschweren Debakel der Musikindustrie, verweigern die angestammten Lobbys jedes konstruktive Mitgestalten dieser neuen Cultural Economy. Im Gegenteil, man leistet erbitterten Widerstand und hält kompromisslos fest, an patentrechtlichen Regeln, die bisweilen auf das Venedig des 15. Jahrhundert zurückgehen. Ja opfert sogar Menschenleben auf dem Altar der rechtlich geschützten Gewinnmaximierung, wenn westliche Pharmakonzerne das Kopieren ihrer teurer Medikamente verhindern.
Egal wie verzweifelt diese Old Generation auch versucht, nochmals all ihre Schutzmechanismen des vergangenen Jahrhunderts aufzufahren und bis ins Absurde verschärfte Gesetzgebungen gegen filesharing und downloads zu etablieren – die Neuordnung des Schutzes geistigen Eigentums ist längst zum gordischen Knoten unserer global vernetzen Wissensgesellschaft geworden.
Das Ars Electronica Festival 2008
Wenn der künftige Wohlstand des alten Europa tatsächlich auf Kreativität und Innovation gebaut sein soll, dann ist der freie Fluss von Wissen unabdingbar. Dann dürfen neue Geschäftsideen und Vertriebswege nicht im nationalstaatlichen RegulationsDschungel erstickt oder von Monopolisten verwaltet werden. Unter der Überschrift „A NEW CULTURAL ECONOMY – wenn Eigentum an seine Grenzen stößt“ will das Ars Electronica Festival 2008 an den ersten Kapiteln einer neuen Wissensgesellschaft mitschreiben. Es geht dabei um das Spannungsverhältnis von Informationsfreiheit und Urheberrechten, es geht um das große Geschäft und die Vision einer offenen Wissensgesellschaft. Und es geht um brauchbare und tragfähige Spielregeln für diese neue Realität. Spielregeln, deren Formulierung nicht allein JuristInnen und WirtschaftsexpertInnen überlassen werden sollte.
Von 4. bis 9. September 2008 lädt Ars Electronica wieder KünstlerInnen, NetzwerkNomadInnen, TheoretikerInnen, TechnologInnen und Rechtsgelehrte aus aller Welt nach Linz. Deren künstlerische wie wissenschaftliche Recherche in Form von Symposien, Ausstellungen, Performances und Interventionen über klassische Konferenzund Kulturräume hinaus in die ganze Stadt getragen wird. Als letztem Testlauf vor dem Kulturhauptstadtjahr 2009 kommt dem Zusammenwirken des lokalen Netzwerks an Kulturund Bildungseinrichtungen ganz besondere Bedeutung zu.
Das Ars Electronica Symposium 2008
Computer und Internet haben die Produktion und Verbreitung von Information ungeheuer beschleunigt und verbilligt. Inhalte wurden plötzlich weltweit verfügbar. Dies verändert nicht nur unseren Umgang mit Information, sondern unser Wirtschaftssystem insgesamt. Wir sind gezwungen, tradierte Vorstellungen an eine veränderte technologische Realität anzupassen. Manche von uns tun dies bereits recht erfolgreich. Andere dagegen wehren sich – und scheitern. Das diesjährige Symposium will AnwenderInnen, KünstlerInnen, UnternehmerInnen, WissenschafterInnen und PolitikerInnen vernetzen und sich gemeinsam auf eine neue Welt einzustellen.
2008 wird das Ars Electronica Symposium von Joichi Ito (J) kuratiert. Aktivist, Entrepreneur und Investor für Risikokapital, ist Joichi Ito Gründer und Geschäftsführer von neotony, eine auf persönliche Kommunikation und Basistechnologie spezialisierte Risikokapitalfirma. Er gründete zahlreiche InternetUnternehmen, zu denen etwa PSINet Japan, Digital Garage und Infoseek Japan gehören. 2001 wählte ihn das World Economic Forum unter die 100 „Global Leaders for Tomorrow“. Als Vorstandsvorsitzender von „Creative Commons“ sowie Vorstandmitglied von u.a. ICANN, WITNESS und TECHNOCRATI ist Joichi Ito aktiv an brandaktuellen Web 2.0 – Entwicklungen beteiligt. Nähere Infos über Joichi Ito und Creative Commons gibt’s auf joi.ito.com/