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Photocredit C.Neeon
c.neeon: In- und Anziehsachen
5. Juli 2007 von Stefanie Kroth
Im Februar 2004 zogen die zwei Weißensee-Absolventinnen los, um die Welt zu erobern: Nach einem Probegewinn des „Fashion-Channels“ der Berliner Galerie Lafayette, räumten die beiden im südfranzösischen Hyéres beim renommierten „Festival International de Mode & de Photographie“ gleich den „Grand Prix“ ab. Sie zogen weiter zur Londoner Fashion Week und landeten über Tokyo, Mailand und Wien gleich im Berliner Kunstgewerbemuseum mit der Sonderausstellung „In Sachen“. So viele Trophäen im Ausland und dann ins staubige Museum? Weit gefehlt, auch hier verwirklichten die beiden jungen Frauen ihren Rundumkunst-Bauhaus-Gedanken und verzückten die Besucher mit multimedialen Ausstellungsstücken. Unterstützt in der Konzeption und Umsetzung wurden sie dabei von anschlaege.de.

Photocredit C.Neeon
Stil und Style
Mit selbstbewussten Drucken auf einfach-komplizierten Schnitten mit verschwenderischem Stoffeinsatz erfindet das Design-Duo in einer Art Paralleluniversum zum glitzernden Fashion-Kosmos Anziehsachen neu. Haute-Couturig-Schick oder Street-style-sportlich, skulptural-beeindruckend, trendig-verwickelt oder Mittwoch-Vormittag-tauglich: Die Sachen machen das Leben mit. Und sind Kunstwerke. Für die kommende Wintersaison 2007/08 „Sharing Secrets“ stand die lebenshungrige Malerin Tamara de Lempicka mit ihren, aus den 1920ern, eigenwilligen und fragmentierten Bildern und Mode-Grafiken Patin, inspirierte Farbwahl, die Gestaltung und der zwei- bis dreidimensionalen Ornamente auf mehrlagigen Klidungsstücken. Das Ergebnis trägt, wurschtelt und wickelt man unter- und übereinander in verschiedenen Lagen, gerne mit Beinkleid in leuchtendem Grün, Pink, Blau und Rot. Das ganze gibt es nicht nur für junge Mädels und elegante Damen, in Unisex-Modellen sehen die Jungs auch sehr lässig aus, vielleicht aber besser ohne Strumpfhose.

Clara Leskovar (links) und Doreen Schulz (rechts)
Wand- ,Teppich- und Zukunftstauglich
Clara Leskovar und Doreen Schulz sorgen auch für Schickes unter den Füßen: Ab Herbst 2007 schlucken grafisch gestaltete c.neeon-Teppiche Geräusche und Staub. Die Grafiken und Muster sind nicht nur hippe Eintagsfliegen, ist das doch eine Kooperation mit dem Teppich-Riesen Vorwerk, dessen Teppiche lange leben. Neben Kunst für die Fußreflexzonen gibt es von c.neeon auch Kollagen für an die Wand: LUMAS vertreibt Arbeiten der beiden in einer Limited Edition. Die Ausflüge in andere Terrain bremsen die Modelust nicht ein: Die Winterkollektion wird Mitte Juli auf der Berlin Fashion Week inszeniert, im September testen die Finalistinnen in Barcelona beim Mango Fashion Award ihre Gewinnpotential und stellen ab 2. Oktober in Paris aus: „Le Berlin des Créateurs“.

Photocredit C.Neeon
Fleißig im Heikonauten
Die fleißigen Designerinnen entwickeln und entwerfen zwischen Plattenbauten und Pelmeni im Heikonauten, einem Arbeitsprojekt in Berlin Lichtenberg. Dort treffen in einer ehemaligen Kindertagesstätte Kunst, Fotografie, Grafik, Journalistik und Design auf Mode. Über den Tellerrandschauen macht man dort beim Mittagessen. Das erklärt auch den Erfolg der beiden umtriebigen Frauen: Jenseits von Celebrity und Glamourpartys „erleben“ sie in Auseinandersetzung mit Form, Gestalt und Material ihre Entwürfe, tüfteln Druckmöglichkeiten bei Doreens Eltern in der Druckwerkstatt in Thüringen aus, planen was mit denen von anschlaege.de oder koordinieren die Produktion ihrer Kollektion in Berlin, Thüringen, Sachsen und auch Italien. Jenseits von Mainstream ist hier Platz Neues mit Gehalt entstehen zu lassen. Der kommerzielle Erfolg im modehungrigen Japan belohnt diese Arbeitsweise. Hoffentlich erkennen auch bald die deutschen Modeanhänger ihren Prophet im eigenen Land.

Kontakt c.neeon - Leskovar/Schulz GbR, Sewanstrasse 122, 10319 Berlin, www.cneeon.de