Corporate Identity in der Warteschleife


(November 2005 von Conny Sauer) Dieser nette, junge Mann, der da hinten im Schwabinger Hinterhof am späten Abend noch arbeitet, heißt Daniel M. Pohlmann. Er ist der Inhaber einer AG seines Namens und deren Vorstand. Unter anderem beschäftigt er sich damit, dass Ihre Anrufe bei Unternehmen die richtigen Emotionen bewirken. Sagen wir es erst einmal so: Daniel Pohlmanns Geschäft ist Sound Design.

Was unter Corporate Design zu verstehen ist, weiß inzwischen jedes Schulkind. Denn das wird in Markenwelten groß und kann sicher – und ganz ohne Training – Hunderte von Marken anhand des Logos erkennen. Die Augen sind darauf getrimmt, Marken zu unterscheiden. Das ist gut für die, die Branding professionell vorantreiben. Andererseits gilt zu bedenken: inzwischen machen alle grafisches Branding, und damit verpufft die Wirkung. Die Aufmerksamkeit der Verbraucher lässt mit den Jahren immer mehr nach.

Gut, dass der Mensch nicht nur einen, sondern fünf Sinne hat! Denn das eröffnet neue Chancen. Seit ein paar Jahren wird mittlerweile das Ohr erschlossen. Ohren kann kein Konsument je verschließen! Damit sind wir beim Thema Sound Branding. Vielleicht können Sie nicht gleich auf Kommando singen, wie Intel klingt, oder wie die Deutsche Telekom. Aber anders herum funktioniert es ganz sicher: Sie hören die Melodie, und ohne die geringste Bedenkzeit wissen Sie, dass das Intel war. Oder eben Telekom: dadada-di-dam.

Ungeahnte Welten tun sich auf. Töne sind stark. Töne wecken Gefühle, Töne beschwören Erinnerungen herauf. Wenn es um Musik geht, wird die Seele angesprochen. Dissonante Sounds regen auf. Und unangenehme Stimmen machen uns widerborstig. Auch die Logik gehört dazu: Wenn der eine dies pfeift und der andere das, entziehen wir uns, weil alles zu verwirrend wird. Genau das wissen Unternehmen, die Menschen wie Daniel Pohlmann damit beauftragen, sich um den richtigen Ton im Unternehmen zu kümmern. Sie fragen sich und ihn: Wie klingt unsere Marke? Und ist der Klang unserer Marke konsistent? Vor allem: Fügt er sich ins große Ganze, die Corporate Identity ein? Wer in der Telefonanlage kubanische Rhythmen spielt, aber seine Anrufer dann im schwerem, sächsischen Dialekt grob abfertigt, kann sich im akustischen Auftritt noch spürbar steigern. Ein Beispiel von vielen, und hoffentlich keins, das gegen Sachsen spricht. Es geht aber um Konsistenz, um Vertrauen, um Kundenbindung.

Bereits mit 13 Jahren hatte er klare Ziele: zum Radio zu gehen und so zu werden wie sein großes Vorbild – Thomas Gottschalk. Zu Hause legte der Junge Platten auf, hatte sogar ein eigenes Mischpult und tatsächlich: Mit 19 Jahren ergatterte er einen Job als Moderator im freien Lokal-radio – damals eine sehr junge Szene –, wie allein schon der ungewöhnlich Name seines Senders – Radioaktiv – verrät. Pohlmann moderierte und produzierte, und mit 23 Jahren erweiterte er seinen Horizont durch die neue Aufgabe als Rundfunk-berater. 1991 wurde Pohlmann Dozent und stellvertretender Studienleiter an der Akademie für neue Medien.

Mit Graphic Design hat er sich auch noch beschäftigt, und später gründete er eine Werbeagentur, die sich unter anderem mit Rundfunkwerbung im Markt zu behaupteten wusste. Dann war es Zeit für einen großen Schritt: Die Pohlmann AG entstand. Seit 2001 ist Daniel M. Pohlmann Vorstand dieses Unternehmens, das heute als erste Adresse für die akustische Unternehmensberatung gilt. Die Pohlmann AG sorgt unter anderem dafür, dass Kunden ein ganzheitliches, professionelles und perfekt auf Ihr Unternehmen abgestimmtes Erscheinungsbild am Telefon abgeben.

Die Kunden bekommen ein maß-geschneidertes Audioprofil, durch das sämtliche Geschäftskontakte in Form von Ansagen, Warteschleifen, Mailboxen und Call Centern in Gleichklang gebracht werden. Zudem vertont man auch Internet-Auftritteund Multimedia-Präsentationen, Vorträge und Messeauftritte.

Wenn, was zunehmend häufiger geschieht, die Marke durch einen akustischen Claim ausgedrückt werden soll, geht’s ab ins eigene Tonstudio. Oder in die passende Produktionsumgebung bei einem der vielen Partner im gemeinsamen Netzwerk. Wir fragen Daniel Pohlmann, was eigentlich ein gutes Sound Branding ausmacht und erfahren: „Wenn es da eine einfache Antwort gäbe, könnte es jeder machen. Aber die akustische Marke setzt sich aus vielen Kleinigkeiten zusammen, die wiederum untereinander übereinstimmen müssen.“ Dann nennt er zumindest drei Kriterien, die auf alle Fälle erfüllt sein müssen: Ein guter Sound ist zeitlos. Der Ton muss zum Unternehmen – zu seiner Philosophie und zu seiner Praxis! – passen. Er muss Lust auf mehr machen, darum spannend und dynamisch sein.

Haben denn Kunden dafür schon das richtige Bewusstsein?, wollen wir wissen. Und Pohlmann erzählt davon, wie schwierig es ist, das Thema Sound Branding unternehmensweit zu kommunizieren: „Wenn ein Ansprechpartner verstanden hat, dass der Ton in der Kommunikation total vernachlässigt wird, und dies einem Kollegen oder Vorgesetzten vermitteln will, bleibt oft nur die Botschaft übrig, dass etwas an der Warteschleife getan werden muss. In den Unternehmen einfach nur sehr wenig Soundkompetenz. Darum rede ich auch gern selbst mit unseren Kunden, gleich in welcher Position sie am Brandingprozess beteiligt sind.“

Zuletzt wollen wir herauskitzeln, ob Pohlmann den Kritikern folgen kann, die vor einer drohenden akustischen Umweltverschmutzung warnen. „Es ist eine Gratwanderung“, antwortet er, „zu viel zu machen, kann auf die Nerven gehen – und das sollte niemals geschehen. Wir denken in jedem Fall sehr genau über die Konsequenzen unserer Vorschläge nach. Aber umgekehrt: wer zu wenig macht, dem fehlt etwas Entscheidendes in der Kommunikation – Emotion.“

Keine Frage, der richtige Ton gehört längst zum guten Ton.

Wir freuen uns heute schon auf das Smell Branding. Oder wird das Touch Branding eher kommen?
Danke für das Gespräch.

Die Pohlmann AG im Web: www.pohlmann.ag