„Grains“ ist eine Aneignung traditioneller Stilistiken und ihre Übersetzung in den Sound von heute. Das Folkfestival „Green Man“ wurde dabei zur Inspiration von Florian Seyberth und Peter Heider: Boozoo Bajou entdeckten den „Laurel Canyon“ Sound des Los Angeles der frühen Siebziger für sich, als nach der wütenden Protestbewegung der ausgehenden Sechziger Musiker wie Neil Young, Joni Mitchell, Jackson Browne, Crosby, Stills and Nash es eher entspannt angehen ließen.
„Wir haben uns von diesen Einflüssen natürlich nicht einengen lassen“, sagt Seyberth. „Aber das kalifornische Laid-back-Feeling hatten wir die ganze Zeit im Hinterkopf. Es hat dem Album eine deutliche Färbung gegeben.“ Und so nahmen sie den Sound von früher und den Geist von heute. Das Ergebnis: Moderne Electronica, wie man sie so lebendig, so reif kaum je gehört hat.

„‚Grains’ vereint vielerlei musikalische Einflüsse“, sagt Seyberth. „Ich zum Beispiel komme vom Punkrock und Rockabilly. Das geht zurück bis in meine Kindheit. Peter ist das totale Gegenteil: Er hat klassische Musik und Jazz studiert, sein Vater ist Komponist zeitgenössischer E-Musik. Unser Sound ist ein Produkt aus allem.“
Für „Grains“ arbeiteten Boozoo Bajou zum ersten Mal mit einer Sängerin zusammen. Über die junge britische Singer-Songwriterin Rumer urteilte das Word Magazin: „a real gutsy singer“, die BBC beschrieb ihre Stimme als wie aus flüssigem Gold – „straight out of Laurel Canyon“.

Zu hören ist Rumer auf „Same Sun“, einer akustischen Pop-Ballade voll Melancholie. Vorstellen muss man sich ihre Stimme ungefähr so: eine Mischung aus dem klaren Timbre einer Karen Carpenter, dem warmen Hauch einer Sade und der Transzendenz von Alison Goldfrapp. Auch auf „Messengers“ ist sie dabei und lässt den Song oszillieren zwischen Folk und Jazz – voll unangestrengter Schönheit.
Und so interpretiert „Grains“ die typischen Boozoo-Bajou-Elemente aus Soul, Blues und Dub vollkommen neu. Im langsamen R&B-Song „Flickers“ und in der funkigen, bläserlastigen Ballade „Sign“ treffen Curtis Mayfield und Seyberths Liebe zu Style Council aufeinander. Bei „Kinder ohne Strom“, eine schöne Klangdekoration für jeden Spaghetti-Western, und dem elektronisch verhallten „Fuersattel“ sieht man förmlich, wie Ennio Morricone und King Tubby sich im Studio zu einer Jamsession treffen. Und „Big Nicks“ ist dann ein Ausflug zur Ostküste – ins nächtliche Manhattan, wo sich der gleichnamige Diner befindet.
„Grains“ ist reich an derlei Bildern. Ein berauschendes Album, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenführt.