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© Photo Credit Andreas Oetker-Kast
Hauptsache Gefühl. Jacqui Naylor
California Sunset Records
Irgendwas muss er haben, der Buddhismus. Richard Gere bekennt sich dazu, Judith Holofernes von den Helden, Herbie Hancock. Und Jacqui Naylor. Sängerin, in einem früheren Leben Werbe-Direktorin einer Modefirma, Einwohnerin San Franciscos und vor allem eine sehr angenehme Person. So sitzt sie da, an einem Montagnachmittag in der Lobby des Hamburger Marriott Hotels und erzählt von Ihrem neuen Album The Color Five.

Ein paar Tage zuvor hatte sie es gemeinsam mit dem Gitarristen und musikalischen Partner Art Khu auf dem Sommerfest ihrer deutschen Plattenfirma California Sunset Records vorgestellt. Es ist bereits ihre fünfte CD, wenn auch die erste Europa-Veröffentlichung. The Color Five, das sind 15 Songs, darunter fünf Eigenkompositionen, fünf Cover-Songs und fünf Acoustic Smashes.

Acoustic Smashing? Nehmen Sie einen Jazz-Standard wie Herbie Hancocks Cantaloupe Island und singen dann Hot Legs von Rod Stewart drüber. Oder Miles Davis All Blues kombiniert mit I Still Haven’t Found What I’m Looking For von U2. Oder anders herum, zur Melodie von Whipping Post von den Allman Brothers erklingt Gershwins Summertime. Das ist Acoustic Smashing à la Jacqui Naylor. Zwei Songwelten verschmelzen, ein ganz neues Stück Musik entsteht. Und die amerikanische Jazz-Gemeinde ergeht sich in Standing Ovations. „Wir haben noch keine schlechten Kritiken dafür bekommen, bis auf eine bei Amazon. Die Leute verstehen, worum es uns geht“, kommentiert Naylor die positiven Reaktionen.

„She owns a song“ sagen sie und beschreiben damit das Gefühl, das einen befällt, wenn man Naylor beim Singen dieser Smashes zuhört. Sie bekommen eine Jacqui Naylor Identität. Irgendwo zwischen Billie Holiday, Carole King oder Sheryl Crow. „Ich bin eine Sängerin. Jazz ist lediglich die Art und Weise, wie ich mich der Musik nähere“, antwortet sie, wenn man sie nach der eigenen Einordnung in die Musikwelt befragt. Am Anfang von Acoustic Smashing, vor 10 Jahren, stand der Wunsch nach etwas Neuem. Das Resultat war My Funny Valentine, gesungen über Back in Black von AC/DC. Daraus hat sich dann so eine Art Markenzeichen entwickelt.

Die Ideen für die Auswahl entstehen zwischen ihr und Art Khu und werden dann gemeinsam weiterentwickelt. „Ich mag es, Songs zu singen, die ursprünglich von Männern gesungen wurden. Zum Beispiel Hot Legs, den wollte ich schon immer singen. Dinge, die Männer sagen oder singen, wie wäre das, wenn eine Frau das sagen würde?“

Überhaupt sind die Texte mit ausschlaggebend für die Song-Auswahl. Nicht nur bei den Acoustic Smashes, sondern auch bei den Cover Songs. Auf Color Five findet sich neben Blue Moon und Here’s To Life auch eine wunderschöne, ruhige Bossa Nova-Version von REM’s Loosing My Religion. „Ich möchte den Songs auf den Grund gehen, spüren, was sie aussagen könnten. That’s me in the spotlight, losing my religion – in diese Situation will ich nie kommen.“ Wenn man Songs langsamer spielt, bekommen sie eine neue Dimension. Überzeugungen sind ihr wichtig, das merkt man im Gespräch. Man hört es der CD an, auch an der Art, wie die Lieder aufeinander folgen. „Mit Blue Moon wollte ich einen positiven Anfang geben, eine Einladung und damit auch ein Statement setzen. Dann folgt mit Hot Legs eine Art Reminiszenz an meine eigene Jugend und Easy Ride From Here ist die Aufforderung, das Leben selbst in die Hand zu nehmen. Schließlich hängt alles davon ab, wie wir die Dinge sehen. Ich will ein Gefühl von Hoffnung vermitteln.“

Hoffnung vermitteln alleine schon die Eigenkompositionen von The Color Five, allesamt mit Art Khu geschrieben. Das bereits erwähnte Easy Ride From Here, oder Sit And Rest A While, Angel Of Mine oder Drive On sind Perlen, die man sich immer wieder anhören möchte. Singer/Songwriter, Jazz, ein wenig Funk, vor allem aber viel Gefühl. „Don’t sing, unless you mean it“, das hat man ihr mal als Lektion mitgegeben, sie hat es verinnerlicht – und wir sind dankbar.

(Andreas Oetker-Kast)

Infos
Jacqui Naylor: The Color Five, California Sunset Records GmbH, Hamburg
Weitere Informationen gibt's unter www.jacquinaylor.com, oder www.wavemusic.de;
Jacqui Naylor wird voraussichtlich entweder noch im Herbst 2007 oder aber im Frühjahr 2008 in Deutschland auf Tour gehen.

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