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© photo credit
Oomph! – Monster
Gun Records

Auch in der Musik ist es schwierig, es allen alles recht zu machen. Die Einen wollen ein Festhalten an den Wurzeln, während die Anderen eine Weiterentwicklung fordern. Die mehrfach ausgezeichnete Platinband OOMPH! hat sich von derlei Erwartungshaltungen völlig frei gemacht und mit ihrem zehnten, einmal mehr selbst produzierten Studioalbum „Monster“ vielleicht gerade deshalb das Kunststück geschafft, diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen.

"Wir haben uns ganz bewusst zurückgezogen und die nötige Muße gegönnt, denn gerade mit unserem Jubiläumsalbum wollen wir ein ausgereiftes Werk und keinen Schnellschuss abliefern", erklärt Gitarrist Flux. Demnach widerstand die Band der Versuchung, wegen des TV-Auftritts beim diesjährigen Bundesvision Song Contest, schnell ins Studio zu gehen. "Der letztjährige Sieg war eine sehr schöne Sache für uns, und wir hätten bei Stefan Raab gerne schon unser neues Album präsentiert, aber weil wir auf die Produktion großen Wert legen, wäre die Eile zwangsläufig zu Lasten der Qualität gegangen – und das kam nicht in Frage!" betont Crap.

Darum ging das Wolfsburger Trio ohne Zeitdruck in sich und filterte das Extrakt heraus, das den markanten OOMPH!–Sound im Spannungsfeld zwischen Rock und Elektro ausmacht. Zum einen greifen Dero, Crap und Flux ohne übertriebene Sentimentalität sämtliche relevanten Elemente der fast 20jährigen Bandgeschichte auf und schlagen u.a. bei „Revolution“ mit hämmernden EBM-Synthies eine Brücke zu ihrem Debüt von 1992. Zum anderen setzen sie beispielsweise mit dem originellen Rock-Tango „In deinen Hüften“ und der unter die Haut gehenden Piano-/Streicher-Ballade „Auf Kurs“ aber auch ganz neue Akzente. Zwischen diesen Extremen gibt es jede Menge Hits, bei denen OOMPH! in ihrer unnachahmlichen Art eingängige Refrains, mächtige Gitarren-Riffs, tanzbare Beats, clevere Elektro-Akzente, gefühlvolle Breaks mit Soundtrack-artigen Passagen und einen Schuß Pathos vereinen.

Besonders herausragend ist der tiefgründige Ohrwurm „Beim ersten Mal tut´s immer weh“, der die Täter-Opfer-Perspektive umdreht und mit seiner raffinierten Wendung zum Nachdenken angeregt. Überhaupt demonstriert Sänger Dero einmal mehr eindrucksvoll, dass hinter den oberflächlich als Provokation wahrgenommen Texten auf den zweiten Blick intelligente Gesellschaftskritik steckt. So setzt sich der charismatische Frontmann, der seinen Stimmbändern im Laufe der Jahre immer mehr Schattierungen entlockt, u.a. mit dem Schönheitswahn („Wer schön sein will muss leiden“) und der medial zwar in den Hintergrund gerückten, real aber immer noch aktuellen Aids-Gefahr („In deinen Hüften“) auseinander. Zudem beschäftigt er sich in „Labyrinth“, „6 Fuß tiefer“ und „Lass mich raus“ in fantasievollen Metaphern mit seinem Lieblingsthema: den Abgründen der Psyche.
Nicht nur deswegen ist der Albumtitel „Monster“ passend gewählt. "Er ist sehr vieldeutig. Zum einen bezieht er sich auf solche Unmenschen wie den Geiselnehmer von Natascha Kampbusch oder den Inzest-Vater von Amstetten, der seine Töchter jahrelang eingekerkert und missbraucht hat. Zum anderen kann er aber auch positiv besetzt sein", erläutert Dero und nennt als Beispiel " ein Monster von einem Album.

So wie dieses!

(© Gun Records)